Frau O. : Es ist interessant für uns, wie Club Pinguin entstanden ist.
Frau E :  Der Club Pinguin hatte 2018 ein ganz großes Jubiläum. Da haben wir nämlich den 50. Geburtstag dieser Einrichtung gefeiert. Mit einem großen Fest am Tag der offenen Tür.
Insofern kann ich die Frage ganz gut beantworten. Wir haben uns natürlich damals auch nochmal mit der Geschichte des Hauses beschäftigt.
Und die war wie folgt:
Also man muss das immer so ein bisschen parallel sehen zu der allgemeinen sozialpsychiatrie Entwicklung in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg.

Nach(während) dem zweiten Weltkrieg sind ja sehr viele Menschen ermordet worden, also durch die Nazis. Und es gab eigentlich überhaupt gar keine sozialpsychiatrische Versorgung. Es gab nur irgendwo auf dem Land große psychiatrische Einrichtungen.

Da mussten alle Menschen, egal wo sie gewohnt haben, von einem bestimmten Einzugsgebiet, mussten alle in diese psychiatrische Klinik zum versorgt werden.
Wenn die psychische Erkrankung akut war und sie nicht eine stationäre Einweisung stattgefunden hatte.
Wenn die dann wieder nach Hause entlassen wurden, standen sie vor dem nichts. Also es gab überhaupt keine Versorgungslandschaft, dass jemand irgendwo hin konnte, versorgt wurde, oder ein Gespräch gehabt hätte, außer dem Psychiater vielleicht.
So das war so Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Und damals war jetzt hier vor Ort, aber das kann man Landesweit sehen, wurde die Idee der Clubs, also einfach Orte, wurde diese Idee von den Beteiligten kreiert. Das heißt man wollte Wohnortnah Treffen organisieren, dass man einfach zusammenkommen kann, sich austauschen kann, sich gegenseitig entlasten kann. Das ist die Grundidee des Clubs noch bis heute, sag ich mal. Seither ist natürlich eine große Zeit vergangen.
Hier in Karlsruhe kam der Impuls von der […] Wiesloch und wurde hier aufgegriffen vom evangelischen Gemeindedienst. So hieß damals noch das heutige Diakonische Werk. Also das waren dann die evangelischen Gemeindedienste, die haben diese Idee aufgegriffen und dann wurde ursprünglich  irgendwo im Gemeindehaus. Im Keller wurden noch geschlechtergetrennt einmal die Woche für Frauen, für Männer einfach wurde ein Treffen organisiert von Gemeindehelfer/innen. Diese Idee wurde halt im Laufe der Jahre immer größer, immer größer, immer größer und dann gabs zwischenzeitlich… Also irgendwann wurden auch die Hauptmitarbeiter angestellt. Viele Jahre hatte der Club Pinguin seine Zentrale oder den Ort in der Karlstraße, am Ende der Karlsstraße in der Nähe vom Albtalbahnhof. Da hatte er so seine erste Blüte erlebt. Damals kamen auch ganz viele Ehrenamtliche dazu. Also es gab eine Hauptanbindungsstelle, aber schon damals gabs ganz viele ehrenamtliche Mitarbeiter/innen auch, die , sag ich mal bei der Gelegenheit, auch bis heute mit das Zentrum tragen. Diese ehrenamtliche Mitarbeit ist auf jeden Fall ein ganz wertvoller Beitrag, auch in Richtung Inklusion dahingehende, dass ehrenamtliche Normalität ins Haus bringen, sag ich mal. Und auch einfach diese Idee, oder unsere Art Philosophie wie wir mit den Besucher/innen hier umgehen auch nach draußen tragen. Jeder ehrenamtliche hat auch selber ein soziales Umfeld. Und es hilft alles gegen Stigmatisierung gegen psychische Erkrankung an zu gehen, wenn jeder das möglichst auch mit seinem Umfeld als möglichst normal erzählt und wiedergibt. Natürlich immer, wenn etwas weiter gegeben wird, unterliegt es immer dem Datenschutz, das ist das A und das O, völlig klar. 

Aber es geht einfach darum, wie geht man mit Menschen um, die psychisch krank sind. Wir wissen, in der Realität gibt es ein Stigma sobald man es sagt. Deswegen überlegen sich viele Menschen mehrfach, ob sie ihrem Arbeitgeber überhaupt etwas davon sagen.

Und deswegen ist auch diese ehrenamtliche Arbeit auch unter diesem Aspekt zu sehen. Einfach Normalität reinbringen, aber auch der Umgang nach draußen.

So, jetzt sind wir bzw. der Club Pinguin dann im Jahr 2000 in die Stephanienstraße 16 gezogen. Und es gab dann noch ein paar Jahre später eine Funktion mit dem sozialpsychiatrischen Dienst. Den darf man hier nicht unerwähnt lassen, weil wir sind in gewisser Weise eins. Das haben Sie sicherlich auch, diesen Online Flyer, ist ja auch online, haben Sie gelesen. Also wir sind hier, wir nennen uns Zentrum für seelische Gesundheit. Und wir sind, wenn man es aufdröselt, aber eigentlich zwei Einrichtungen, einmal dieser Club Pinguin, die Tagesstätte, und zum anderen eben Beratungsstelle sozialpsychiatrischer Dienst. Und diese sozialpsychiatrischen Dienste gibt es Landesweit, die sind eine Verpflichtung, jede Kommune muss den haben. […] SPDI heißt das abgekürzt, also nicht SPD, sondern SPDI. Im SPDI haben wir einfach den Auftrag, Menschen mit psychischen Erkrankungen auch sehr niederschwellig zu beraten. Sie auch im Hinblick auf Ämtergänge, Behördengänge zu unterstützen, auch in Form von Hausbesuchen. Das ist vielen Menschen nicht klar, viele Menschen, die an einer schweren Depression leiden, denen fällt es unglaublich schwer vor die Tür zu gehen, oder sich überhaupt auf den Weg zu machen.
Und wir haben einfach hier die Möglichkeit, auch zu den Menschen nach Hause zu gehen.

Also das möchte ich im besonderen kommuniziert wissen.

Genau. Aber wir begleiten die Menschen im SPDI auch über Jahrzehnte zum Teil, aber auch in Krisenzeiten. Wobei wir kein expliziter Krisendienst sind. Wir begleiten Menschen, die wir bereits kennen, durch die Krisen, helfen ihnen auch, gehen mit ihnen mal in die Klinik und so weiter. Aber wir sind jetzt kein Krisendienst, wo uns unbekannte Menschen einfach anrufen könnten. Das können wir nicht leisten. Dafür sind wir zu wenige, sag ich mal.

Jetzt der Augenmerk wieder auf Club Pinguin. Wir sind, wie gesagt, vor allem personell auch fusioniert im Jahr 2007, eben seither sind der Herr F. (???) und ich  die Leitung hier. Weil ich arbeite schon länger, ich arbeite jetzt schon 23 Jahre hier im Club Pinguin, aber in der Leitungsfunktion bin ich erst seit 14 Jahren. Der Herr F. kommt vom SPDI her, der hat schon 30 Berufsjahre auf dem Buckel, aber wie gesagt, seit 2007 haben wir hier die Leitung inne.
Ja, jetzt nochmal mehr Club Pinguin. Vielleicht gehen wir mal noch genauer auf das ein, was der Club Pinguin anbietet. Ursprünglich, hab ja grad erklärt, war einmal die Woche ein Treffen, das wurde im Laufe der Jahre ganze Vormittage und Nachmittage, auch mal ein Abendclub. Und es wurde immer ausdifferenzierter über die Jahre. Und im Jahr 2000, als wir eben hierher gezogen sind, da gab es auch eine gesetzliche Veränderung und seither nennen wir uns Tagesstätte. Und jetzt haben wir nicht nur halbtageweise auf, sondern wir haben jeden Tag, also eine Tagesstätte muss mindestens fünf Stunden unter der Woche am Tag auf haben.

Das erfüllen wir auf jeden Fall. Es muss niederschwelliger Zugang gewährleistet sein. 

Also spricht: Die einzige Voraussetzung hier den Club/Haus zu nutzen ist eigentlich ein erstes Gespräch mit einem Mitarbeiter, also einem hauptamtlichen Mitarbeiter hier im Haus, in dem wir einfach ganz grob einschätzen wollen oder müssen, ob diese Person überhaupt zu dem Personenkreis gehört, den wir ansprechen wollen. Das ist eigentlich schon alles. Und ab da kann die Person zu allen Öffnungszeiten kommen. Wir müssen ein Beschäftigungsangebot anbieten, um eine Tagesstätte zu sein. Das tun wir auch. Da sagen wir vielleicht später noch was dazu. Ich glaube, das waren die Voraussetzungen. Diese erfüllen wir bei WEITEM. Wir bieten viel viel mehr, als das was wir anbieten müssten, um uns Tagesstätte zu nennen.

Wir, der Club Pinguin oder die Tagesstätte Club Pinguin, ist hier in Baden die größte Tagesstätte. Also, wir sind größer als die Tagesstätte in Mannheim, größer als die in Freiburg. Wobei wir natürlich auch größer sind, die Stadt Karlsruhe ist größer als Freiburg, hat mehr Einwohner. Und Mannheim hat das anders geregelt. Die haben einfach ihre finanzielle Mittel auf zwei kleine Tagesstätten verteilt. Also da haben ja die Kommunen freie Hand, wie die das dann für Sinnvoll erachten. Aber wir hier, wir sind wirklich die größte Tagesstätte in Baden. Finde ich auch nicht so ganz unwichtig.

So ich will aber eigentlich keinen Monolog halten, also können sie noch ein bisschen…

Herr O.: Wir haben noch mehrere Fragen. Also Sie haben jetzt schon ganz viele Fragen auch mit rein genommen, quasi sehr informativ schon. Das war die erste Frage von Frau O.
Wer will denn die nächste Frage stellen, Herr M.?
Herr M.: Wir hatten noch eine Frage, ob es auch Fachkräfte gibt für die Angebote. Also jetzt irgendwelche Musiklehrer oder Köche oder auch psychologische Fachkräfte.

Frau E: Also es ist so, dass wir hier im Zentrum, also wie gesagt SPDI + Tagesstätte. Wir haben 8,65 ???Deputate??? und die sind ungefähr hälftig eingesetzt. Also zur Hälfte in der Tagesstätte, zur Hälfte SPDI Arbeit. Wir sind zum Großteil Sozialpädagogen. Wie gesagt, viele von uns haben Zusatzausbildungen (???) aber es ist keine Voraussetzung um hier hauptamtlich zu arbeiten. Aber unsere Stellen, speziell die Stellen im sozialpsychiatrischen Dienst, die dürfen wir nur mit Sozialpädagog/innen besetzen. Also muss unbedingt Sozialarbeiter sein. Psychologen dürften wir theoretisch anstellen, aber die würden dann nur als Sozialarbeiter bezahlt. Auch eine Realität, die sehr viele davon abhält, sich hier zu bewerben. Wir haben jetzt für die Tagesstätte noch zusätzlich einen Ergotherapeuten. Der ist aber ausschließlich für die Tagesstätte und hier im besonderen für die Beschäftigungsangebote zuständig. Das ist der Einzige, der keine Beratung macht.
Dann haben wir aber unsere gern gesehenen Ehrenamtlichen. Das schwankt so ein bisschen. Wir haben grad schon bisschen Generationenwechsel erlebt. Also viele, wirklich lange Jahre gediente zuverlässige ehrenamtlich Mitarbeiter/innen haben ihre Tätigkeit beendet, was ja verständlich ist. Aktuell sind wir so bei 15-16 Ehrenamtlichen, aber wir waren auch schon bei über 20.
Dann haben wir aktuell drei Honorarkräfte. Eine Bewegungstherapeutin, eine Gymnastiklehrerin, eine Musiktherapeutin, früher hatten wir noch eine Kunsttherapeutin, aber die ist nicht mehr für uns tätig. Aber wir haben auch eine Kollegin, die ist auch vom Grundberuf auch Kunsttherapeutin, die übernimmt jetzt diese kunsttherapeutischen Angebote hier im Haus. Also einen Koch haben wir nicht, …
Herr O.: Keine Küchetherapeuten?
Frau E.: Das machen die Sozialarbeiter, weil Sozialarbeiter können alles. *gelächter*
Was die nicht können, gleichen dann die Besucher aus, in der Küche zumindest.

Also ganz wichtig hier im Programm, das ist vorhin ja auch von Herr B. benannt worden, sind unsere Essensangebote. Ich glaube das kann jeder nachvollziehen, mit Essen verbindet man ein Stück weit Gemeinschaft, vielleicht ein Stück weit Familie oder Familienersatz. Gemeinsam essen hat einfach was. Das ist was Schönes. Es ist positiv assoziiert. Und deswegen haben wir wirklich jeden Tag ein Essensangebot. Wochentags vier mal kochen, einmal einen Brunch. Beim Brunch haben wir die Situation, dass die Frau K.N. seit vielen Jahren das verlässlich macht, und die ?das Federführend macht? aber es ist immer ein Sozialarbeiter flankierend dabei. Die Kochgruppen machen aktuell zumindest immernoch in erster Linie die Sozialarbeiter, wobei die Sozialarbeiter managen das, aber jeder hat einen Einsatz. Wir kochen nicht FÜR, sondern es wird gemeinsam gekocht und es wird hinterher auch wieder gemeinsam aufgeräumt. Also da haben wir ein bestimmtes Prozedere und das hat sich über die Jahre super bewährt. Und wenn eben jemand ganz viel Spaß am Kochen hat und das auch kann, dann darf er auch direkt an den Herd. Viele trauen sich das ja auch gar nicht zu.
Aber ich will nicht sagen, dass wir vielleicht in der Zukunft das auch mal anders handhaben werden. Also da sind wir offen. Wir müssen gucken, wie sich das alles entwickelt, dass vielleicht auch mal jemand der eine hauswirtschaftliche Ausbildung hat, vielleicht auch irgendwann mal vermehrt in so einen Bereich einsteigt. Aber das ist Zukunftsmusik da, wie sagt man, ‘da ist noch nichts geschwätzt’.

Herr O.: Ich hab nochmal eine Frage, die noch an die vorige anknüpft. Den Namen, da haben wir uns son bisschen gefragt, wie kommt es denn eigentlich zu “Pinguin”, das hört sich ja toll an, aber wir konnten es für uns gar nicht herleiten.

Frau E.: Es werden so verschiedene Geschichten kolportiert. Aber wir haben tatsächlich im Zuge unserer 50-Jahr-Feier mit der Kollegin von damals gesprochen, oder sprechen können, die damals zu deren Zeit dieser Name implementiert wurde. […] Also die Geschichte, die wir seit jeher damit verbinden und die uns auch so gesagt wurde, ist die: Sie kennen ja unser Logo, diese drei Pinguine, wie sie so beieinander stehen. Und in Natura die Pinguine leben in Kolonien, stützen sich gegenseitig und sind nur in der Gemeinschaft in dieser unwirtlichen Umgebung überlebensfähig. Und das könnte eine, finde ich, eine nachvollziehbare Grundidee sein. Gemeinsam gegen eine unwirtliche Außenwelt und sich gegenseitig stützen.


Herr O.. Hier war jetzt noch die Frage: […] Muss eine psychische Erkrankung attestiert sein? Aber jetzt haben Sie ja schon gesagt, Sie machen ein Gespräch im Vorfeld, also…

A: Ja, wo fängt psychische Erkrankung an, wo hört sie auf? Also das kann man so nicht wirklich 100% festlegen. Aber wir Mitarbeiter sind schon so geschult, dass wir in einem Erstgespräch durchaus die Fragen stellen, die uns helfen, das zu beurteilen. Und ganz oft werden ja, das ist ja auch so eine Frage: Wie kommen die Menschen auf den Club? Ganz oft werden die vermittelt über die Klinik *zeigt in die Richtung der Klinik*, Kaiserallee 10, Psychiatrie. Das ist natürlich ein ganz enger Kooperationspartner von uns. Es werden von dort die Menschen hierher auch vermittelt. Da muss sich keiner wirklich outen, aber dann ist es völlig klar, also wenn jemand von dort vermittelt wird, hat er eine psychiatrische Diagnose, ganz klar.
Aber es kommen auch Menschen in Eigeninitiative und die fragen wir natürlich schon “Ja was führt sie denn zu uns?” und “Was haben sie denn schon von uns gehört, was meinen Sie?” und das ergibt sich automatisch im Gespräch. Wenn allerdings, wenn man es größer greift, kann man auch sagen “Sucht ist auch eine psychische Erkrankung!”
Und da legen wir einen anderen Schwerpunkt. Wir sagen, wenn jemand suchtkrank ist und dadurch in eine Depression rutscht oder umgekehrt, wenn die Sucht im Vordergrund ist, dann gibt es Einrichtungen, die für diese Person besser geeignet sind.
Und wenn jemand zum Beispiel Alkoholiker ist, und trockener Alkoholiker, dann müssen wir auch gucken, vielleicht funktioniert es ja doch hier und es passt dann. Aber da muss man wirklich genau schauen. Aber wenn jemand wirklich massiv suchterkrankt ist, also nasser Alkoholiker ist, dann ist das hier die falsche Einrichtung. Das ist zum Beispiel auch etwas wo wir im Erstgespräch genau hinhören: Passt das hier überhaupt? 

T.M.: Die haben wir eigentlich schon. Auf welchen Wegen kommen die Menschen in Ihre Einrichtung, haben sie eigentlich schon beantwortet.

A: Niedergelassene Ärzte, Nervenärzte sind noch ganz wichtig. Andere Beratungsstellen. Angehörige. Angehörigenarbeit ist auch ganz wichtig. Oder Nachbarn rufen hier an. ‘Ich hab hier einen der tobt nachts!’, wie auch immer. Erhoffen sich Unterstützung. Unsere Möglichkeiten sind da natürlich auch begrenzt, aber wir versuchen schon zumindest beim Gespräch ein bisschen für Entlastung zu sorgen, oder Hilfestellung zu geben was man denn machen kann. Wobei es natürlich ganz oft darauf hinausläuft, dass man einfach die Polizei holen muss. Jetzt komm ich wieder zu dem, was ich vorhin gesagt habe: Wir sind KEIN Krisendienst, der ausrückt, wenn irgendwo eine Problemanzeige gemacht wird.

T.M.: Das kann sogar auch funktionieren, also wenn ich jetzt anrufe und sage: ‘Mein Nachbar hat offenbar echte psychische Probleme’, dass sie dann denjenigen kontaktieren.

A: Das würden wir auch machen. Also wir haben da auch ein klares Prozedere und das ist jetzt in der Tätigkeit als sozialpsychiatrischer Dienst, sind wir dann unterwegs, also wir tun dann erstmal mit der Person, die mit uns Kontakt aufgenommen hat klären, ob wir seinen Namen, als denjenigen der Kontakt aufgenommen hat, da in ein Schreiben packen. Und dann tun wir diese Person die da bei uns quasi angezeigt wurde anschreiben und bieten einfach ein Gespräch an. Entweder die Person macht uns auf, oder sie macht uns nicht auf. Ein ganz niederschwelliges Angebot. Das geht tatsächlich manchmal so und manchmal so aus. Aber mehr können wir nicht machen.

MT: Ich hätte noch die Frage zu den Angeboten. Da wird ja Kochen & alles mögliche angeboten. Ist das dann kostenlos oder gibt man da einen Obolus mit dazu?

CE: Es ist Umlageverfahren. Also es wird hier eingekauft und dann haben wir eben die Summe. Dann wird geteilt durch [die Anzahl der] Teilnehmer plus 50 Cent pro Person  für unsere Nebenkosten, die eben durch  Kochen entstehen. Wir holen ja auch mal eine größere Ladung Gewürze oder so etwas und die Energiekosten. Also beim Kochen ist es 1:1 plus 50 Cent umgelegt. 

MT: Wieviel ist das dann in etwa?

(Ach Gott.) Zwischen 1,50€ und 3€. Günstiger kochen Sie nicht zu Hause. Deswegen ist es, glaube ich, auch sehr attraktiv, weil einfach auch immer frisch gekocht wird, hier. Es hat einen sehr hohen Stellenwert.

Bei anderen Gruppenangeboten muss man sich nur an den Materialkosten beteiligen. Das hier ist ja einer der Kreativgruppenräume. (Und) Wenn jemand hier regelmäßig töpfert und glasieren lässt [betont], kostet das natürlich Geld. Dann wird pro Teilnahme 50 Cent erhoben. Genau. Und so ist es auch bei den Seidenmal-Geschichten: 50 Cent pro Teilnahme plus das Seidentuch, das man eben selbst erwerben muss. Das sind dann schon paar Euro.

Vielleicht jetzt gerade noch, weil das ist mir noch ganz wichtig, dass Sie das noch aus meinem Munde hören. Es dürfen gerne <Teilnehmer 1> & <Teilnehmer 2> auch noch mal etwas dazu sagen. Seit Mai haben wir hier nämlich etwas ganz besonderes laufen – und zwar eine Wochenend-Öffnung

AM: Steht schon auf Ihrer Internetseite

CE: Genau. Das muss man ja auch kommunizieren, bewerben. Wir wurden schon von verschiedenen Seiten seit Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass die Wochenenden für manche Menschen besonders kritisch sind. Gerade weil die psychische  Erkrankung oft dazu geführt hat, dass der familiäre Hintergrund weggefallen ist. Und, ja…, was macht man dann mit den 2 Tagen? Am Sonntag sind auch noch die Geschäfte zu. Aber Samstag hilft auch nichts, weil, selbst wenn die Geschäfte auf sind. Man hat ja kein Geld, da groß zu konsumieren. Deswegen haben wir es geschafft, jetzt erst einmal als Projekt für dieses Jahr… [kleiner Gedankensprung]

Es war vor 2 Jahren beantragt, aber Corona hat ja bewirkt, dass die Stadt nur ein 1 Jahres-Haushalt verabschiedet hat. Deswegen haben wir jetzt nur bis Ende des Jahres Planungssicherheit. Deshalb  wir haben jetzt also auch am Samstag oder [und!] Sonntag auf. Da ist es so ähnlich wie unter der Woche. Da haben wir tatsächlich dann 5 Stunden auf und es gibt auf jeden Fall ein Essensangebot – und Kaffee gibts hier sowieso immer, und auch an den Wochenenden. Man kann einfach nur da sein [Lachen]

TM: Auch am Wochenende mindestens  5 Stunden?

CE: Ja. Also unter der Woche haben wir sogar 6 Std. auf, jeden Tag. Mindestens, sage ich immer. Mindestens. Also unser offener Bereich – den sehen sie nachher unten – unser offener Bereich ist mindestens 6 Stunden auf und am Wochenende 5 Stunden.

DO: Herr <Teilnehmer B.>, Sie haben doch vorhin schon gesagt, Tagesstruktur ist das, was für Sie am allerwichtigsten ist. Was könnten Sie denn an zweite Stelle sagen, das zweitwichtigste hier?

B.: Ja gut, das ist natürlich die Kochgruppe. [???] Oder die Morgenrunde um 10. Halb 11 war dann vorbereiten [???]. Um 12 gibt`s Essen. Und dann ist der halbe Tag hier rum. Mittag bis Halb 4, da gibt es dann Kaffee & Kuchen, kann man dann auch viel Zeit verbringen. Bis man dann daheim ist, bisschen etwas getan hat, daheim im Haushalt oder ähnliche Dinge, ist der Tag eigentlich rum.

DO: OK, also Kochen [???] ist für Sie doch wichtig. Jetzt sagen Sie gerade es gibt Kaffee & Kuchen. Backen Sie denn auch Kuchen?

B: Nee, der wird gekauft. Gekauft oder gespendet.

CE: So viel können wir nicht backen. [Allg. Lachen & Stimmen durcheinander]

B.: …Mal weitermachen mit der Tagesstruktur: Es gab mal eine Backgruppe. Da haben mal 2-3 teilgenommen, dann war doch wieder weniger Leute. Oder manche, die dann auf ihre eigene Art gebacken haben….

Und dann gibt es, was ich als zweitwichtigstes sagen würde, ist das Singen bei Frau Ender. Eine Singgruppe. Also ganz ohne Ausbildung kann man da mitsingen. Ich habe eigentlich. mal richtig singen gelernt [?], aber das ist ein anderes Thema. Das ist das 2.

Also im Moment gibt es keine Singgruppe, außer am nächsten Sonntag.

(Einwurf) CE. Es ist Corona, also mit Abstand.

B.: Und ja, dann Gesprächsrunde, habe ich ja schon gesagt [?]. Es gab mal hier eine Männer-Gesprächsgruppe, vor Jahren. Und Spielgruppe gibt`s dann, an der ich teilnehme.

Wo ich nicht dran teilnehme, ist, auf Grund meines Alters, Computer. An diesen Veranstaltungen nehme ich nicht gerne teil. Ich bin mehr noch vom alten Stil. Lieber handschriftlich als über Computer [?]. Ich merke gerade, dass ich es dringend brauchen würde, daheim am Laptop. [???]. Nicht so mein Ding, das moderne Computer-Zeugs. 

Ja, das ist hier mein Tag.

Und am Wochenende bin ich jetzt auch öfter da. [Ich war eine Zeit lang nicht da, am Wochenende, aber das ist ein anderes Thema.]

Dieses Wochenende war ich jetzt am Samstag da. Da gab es dann ein richtiges Mittagessen. Am Sonntag gibt’s Brunch, also auch eine Art Mittagessen. [frei transkribiert!]

Und dann ist der Tag dann auch irgendwie strukturiert. Von 10 bis 3. Ich wohne in … und habe noch eine ¾-Stunde, bis ich daheim bin.

DO: Frau XY, Sie machen den Brunch

XY: JA.

DO: Schon längere Zeit, […] sonntags. Und vorher…

XY: Ne, ne, ich mache ihn mittwochs. Dieses Wochenend-Angebot ist ja jetzt neu, aber ich mache ihn nur mittwochs. Ja.

DO: Seit wann machen Sie das denn schon?

XY: Seit 19 Jahren.

DO: Immer Brunch.

XY: Ja, da habe ich mal damit angefangen und dann kamen eben verschieden Sachen dazu…  Aber das habe ich kontinuierlich durchgezogen, ja.

CE(?): Wobei, … , vielleicht ist auch wichtig zu sagen, dass wir…

            Das Programm ändert sich immer wieder mal. Also wenn ehrenamtlich einfach ein bestimmtes Interesse mitbringen oder eine bestimmte Fähigkeit, dann gibt es auch mal für ein halbes Jahr irgend etwas ganz anderes. Und dann hört es eben wieder auf, wenn der Ehrenamtliche auch aufhört, oder wie auch immer. Wir probieren auch immer wieder einmal etwas neues.

DO: Aber 19 Jahre ist dann (das) Konstant(e)…

XY: Aber ich muss dazu sagen, also, wir haben – in diesen 19 Jahren, seit ich jetzt dabei bin – 

einige ehrenamtliche Mitarbeiter, die wirklich auch so lange dabei sind und auch noch länger dabei waren. Die, die jetzt dann so vor paar Jahren ausgeschieden sind, die waren auch über 20 Jahre hier. Die jetzt – denke ich mal aus Altersgründen – mit fast 80 [ausgeschieden sind -> wegen Straßenlärm nicht zu verstehen].

Aber wie gesagt, das ist hier schon so, dass sehr viele ehrenamtliche Mitarbeiter sehr lange dabei sind.

DO: Toll! Was hält sie denn so lange hier?

XY: Ja, … wenn ich das jetzt wüsste…   so am Anfang habe ich auch gedacht, ich schaue da mal so rein [vielleicht mal?] für ein Jahr oder 2 und .. ja… ich kann es Ihnen gar nicht so sagen. Ich meine man lernt hier ja auch Leute kennen, die einem ja auch sehr ans Herz wachsen. Ähm, ja. Vielleicht ist es das. Ich kann es Ihnen gar nicht so…

Und es ist auch so wie Fr. Ender jetzt vorhin gesagt hat, mit diesem…, wir tragen das auch irgendwie so nach außen…, ich merke[?] das auch so in meinem Freundeskreis: Als ich damals hier so angefangen habe, ja das war dann so (also jetzt so ganz bös) “Ach Gott! Gehst du wieder zu deinem Bekloppten?” oder so etwas.

Und ich finde…, ja…, das ist jetzt definitiv nicht mehr so. Und ich finde das eben klasse hier: Jeder, der irgendwelche Vorurteile hat, sollte mal… in diese Richtung mal reinschnuppern und… da sieht man die Dinge dann mal ganz anders. Ja.

DO: Hmm, ja. Da könnten wir jetzt eine schöne Diskussion draus machen. Das ist ein ganz tolles Thema mit dem “im Alltag”, wie ist das im Alltag überhaupt vorhanden. Hat da jemand noch eine Frage dazu, vielleicht?

AM: Wie lange darf man hier bei Ihnen bleiben? Ihre Patienten oder… 

       Sie fühlen sich immer besser oder bleiben in einer Gruppe, 16 Jahre, …

CE: Ganz unterschiedlich. Also es ist völlig unterschiedlich. Es gibt nichts, was es nicht gibt.

AM [gleichzeitig mit CE!]:   … geheilt…

CE: Nein, wir gehen gar nicht davon aus, oder es ist gar nicht das Ziel, Heilung. Weil: es ist einfach auch manchmal gar nicht möglich. Das ist unrealistisch. Es gehört zum Leben. Und ich denke, wir arbeiten … eher … gemeinsam mit den Klienten und Besuchern & Besucherinnen einfach… zu lernen, mit der Erkrankung zu leben. Weil es eben einfach eine Realität ist. So und soviel Prozent, also ungefähr ein Drittel der Menschen, die einmal an einer psychischen Erkrankung erkrankt sind, müssen lernen, damit zu leben, weil sich die Erkrankung chronifiziert. Das ist einfach so. Da gibt es genügend Statistiken. Die Krankheit bleibt. Und man muss man trotzdem versuchen – oder das ist unser Ziel – eine möglichst hohe Lebensqualität, trotzdem, zu leben. Oder …  wie auch immer, oder gerade deswegen.

Nicht aufgeben, stellvertretend Hoffnung geben. Und es gibt ein Leben MIT Erkrankung!

AM: Die Depression ist wie ein Muskel-Memory. Er bleibt immer dort, auch. Da gibt es nichts.    … wie ein Muskel … lernen…[Echt schwer zu verstehen. CE bestätigt es immer wieder mit “ja”.]

TM: Irgendwas war doch [??] mit einem Drittel [der Zeit??] … war das: Ein Drittel der Menschen lernt irgendwann mit chronische psychische Erkrankungen zu leben?

CE: Ne, … es ist so dass … die Menschen, die einmal an einer psychische Erkrankung – also da geht es vor allen Dingen auch um Psychosen, um Schizophrenien – an einer Psychose erkrankten, da ist es ganz klar: Diese Drittel-”Regelung”: Also ein Drittel hat nur einmal im Leben eine Episode und … das war’s dann. Das 2. Drittel hat nochmal eine 2. oder eine 3. Episode – und dann kommt nichts mehr. Aber ein Drittel muss damit leben, weil die Psychose einfach ständig da ist, im Hintergrund, oder immer wieder in Wellen kommt.

DO: Zum Herrn B. möchte ich gerne noch eine Frage stellen: [Wie…] Was steht denn bei Ihnen heute noch auf dem Plan, Herr B.?

B: Oh, … bei mir steht jetzt relativ viel auf dem Plan. Also ich sag’s mal ganz brutal, was bei mir auf dem Plan steht: Also ich bin hierher gekommen, habe gekocht, wenn ich hier fertig bin, treffe ich mich mit einem Freund, der übrigens auch psychisch erkrankt ist, aber der nicht hierher will, dann muss ich etwas längeres erledigen auf der Post, dann bin ich mit einem Freund verabredet, der hat immer[?] so einen schönen Namen “…”, dann bin ich also…, dann bin ich auch gebürstet, heute, weil der … ist anstrengend. [Lachen im Raum]

Aber das zeigt schon einmal eins, was sicherlich[?] bei mir außergewöhnlich ist, ich habe – neben [dem], dass ich hier Freundschaften geschlossen habe, im Club Pinguin – habe ich das Glück, meinen alten Freundeskreis behalten zu haben.

Ich hatte vor wenigen Wochen Geburtstag und habe mal beide Kreise gleichzeitig eingeladen. Es war also, ich glaube, das kann man wirklich sagen […] es war ein toller Abend. Also, ne, man lobt sich nicht gern selbst.

Einwurf von unbekannt: Doch, doch!

Deswegen. Aber ich will es von einer anderen Seite mal her aufdröseln: Es ist viel über Niederschwelligkeit usw. gesprochen worden. Das ist auch richtig und auch wichtig, aber

ich glaube was psychische erkrankte, auch hier, glaube ich, viele, an dem Club schätzen ist folgendes: Mir geht es heute nicht sonderlich [gut], aber vielleicht schaffe ich es in den Club. Dann ergibt sich schon einmal etwas anderes. Und man ist hier nicht verpflichtet, in eine Art Freizeitstress zu kommen. Sondern wenn eben hier jemand nur auf dem Sofa herumliegen will, ist das völlig in Ordnung. Also das ist mir eigentlich auch sehr wichtig. Also es ist wirklich von aktiv sein, schwätzen, Blödsinn erzählen usw. bis hin – ganz ruhig – ich möchte heute meine Ruhe haben. Wir haben ganz, ganz ruhige Besucher hier, die trotzdem sehr geschätzt sind und ich finde: Beide Gruppen, so Schwätzer wie ich oder die ganz Ruhigen sind beide sehr, sehr wichtig.

DO: Wenn ich es richtig verstehe, bieten Sie so einen Tageshorizont, also dann einfach: Besser als zuhause sein oder allein zu sein, ist es hier zu sein.

B[?]: Genau, genau!

MT: Gibt es hier denn manchmal bisschen Spannungen in der Gruppe? Also eigtl. wurde das gerade als sehr nett & wertschätzend beschrieben.

B: Es hat leider in den letzten Wochen 1, 2 Spannungen gegeben. Da gab es auch Maßnahmen von der Leitung des Hauses, was auch richtig [oder doch wichtig?] war. Ähm, …also ich möchte mal so herum anfangen: Ich bin vor 5 Jahren hierher gekommen und ich war also wirklich maßlos erstaunt, wie toll – das muss ich auch so sagen – die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter mit den Menschen umgegangen sind. Also GANZ klar! 

Dann muss ich als zweites[???] sagen: Ich bin auch nur ein Mensch, der auch Fehler macht oder auch Fehleinschätzungen unterliegt. Ich habe natürlich auch in diesen 5 Jahren, im Umgang mit anderen Menschen, die ganz, ganz, ganz anders ticken als ich, natürlich unglaublich viel gelernt. Ja. Ich weiß heutzutage natürlich.: Der und der, ooh, ganz ruhig ansprechen. Ganz sachlich ansprechen. Dann … ist er wunderbar. Beim anderen weiß ich, da kann ich auch mal einen schrägen Joke machen. Ja. Also man lernt auch selbst sehr viel.

Und das sollte man auch nicht [eben also wirklich dieses ???] klassischen Selbsthilfe-Gedanken: Wenn man hierher kommt, wenn man sich ein bisschen einbringt, hilft das natürlich einem selbst enormst. (Ja.)

CE: Also, ich würde das noch ergänzen wollen, also es gibt einfach hier Regeln und – egal ob jemand psychische Erkrankungen hat oder nicht, das kann man ja von beiden Seiten sehen – er hat doch[?] keine Sonderrechte, also man hat keine Narrenfreiheit. Hat man hier auch nicht. Also es gibt Regeln des Zusammenlebens und die muss jeder einhalten. Und das kommt immer wieder maaal vor, aber es ist nicht an der Tagesordnung. Wenn sich jemand eben nicht an die Regeln hält, dann gibt es  – wie beim Fußball – gibt es erst einmal eine gelbe Karte oder eine rote. Und dann … wir bleiben miteinander im Gespräch, auch, und dann muss man aber schauen, wie ist das Gegenüber zum Gespräch fähig und bereit. Und dann gibt es eben auch mal einen vorübergehenden oder einen länger andauernden Haus-Ausschluss. Aber [sehr überdacht, mit Pausen gesprochen] das ist wirklich die letzte Karte, die wir dann ziehen. Also wir versuchen immer, die Leute einzubinden, wieder, auch wenn mal ein paar Wochen Auszeit vielleicht das bessere ist. Aber Regeln gelten.

DO: Selbstverständlich[?].

CE: Ja.

DO: OK. Frau K-N, ich hab… hier steht noch so eine tolle Frage die [ausgeführt???] wird, die würde ich Ihnen gerne noch stellen:

(D.O.:) Gibt es im Club Pinguin etwas bemerkenswertes, von dem sie sich wünschen würden, dass mehr Menschen davon erfahren?

A: Da sind ja so viele Dinge (???). Ich das wichtigste ist ja einfach, das ist ja alles auch schon so genannt worden, dass man hier einfach herkommen kann. Hier jetzt keine große – … also jetzt in Coronazeiten natürliche für manche Dinge halt… – aber dass man einfach hierher kommen kann. Dadurch eben nicht alleine Zuhause rumsitzt. Hier immer irgendjemand da ist. Und das würde ich mir halten – ja ich meine das Angebot gibts ja in den Kliniken, werden die Leute darauf hingewiesen, dass es uns gibt. Das ist hier so das wichtigste, finde ich. Und was ich ja ganz toll finde, ist, dass daraus halt… also man gibt irgendwie so eine Stütze den Menschen, aber dass halt auch so diese Freundschaften untereinander entstehen. Das man sich halt auch mal hilft und ich denke, das wäre mal sowas wo ich sag, ja wenn das so weiter nach draußen irgendwie so, dass die Leute die manchmal denken “Ohhh jetzt da hin gehen, ah ich weiß net”, aber das sie einfach so mitkriegen, ja es ist toll hier. Es ist immer jemand da. Vielleicht knüpf ich da auch schon paar Freundschaften und das macht das Leben, denke ich doch um einiges leichter.

Und wie gesagt, es ist immer jemand da. (???) Es ist toll, wenns so ist, wie beim Herr B., dass da noch die Freunde, die alte Freunde da sind. Aber ganz oft ist das halt leider nicht mehr der Fall.
Also erst verabschiedeten sich die Freunde, bzw meistens fängt es mit dem Job an und manchmal ist es halt auch einfach die Familie, die dann nicht mehr zuhören kann…

T.M.: Ist für die Leitung und die ehrenamtlichen Kräfte auch nicht immer ganz einfach, grad zuhören oder so,… gehört aber wahrscheinlich auch dazu…

A: Das ist unsere Arbeit. Den Anspruch haben wir von uns. Das ist das Kernstück, oder eines der Kernstücke überhaupt. Man ist im falschen Beruf, wenn man nicht die Bereitschaft mitbringt.
T.M.: Man kann viel besser damit umgehen als ein Laie wahrscheinlich auch.

A: Klar, weil dieses Zuhören ist ja auch nicht grenzenlos. Auch da muss man sagen, um ein Mensch zu bleiben, ehrlich zu bleiben in der Zugewandtheit, ist irgendwann auch mal… geht nicht mehr. Dann braucht man einfach eine Pause, muss man das Gespräch beenden. Aber das ist (???)
A1: Man wächst da ein Stück weit rein. Also wenn ich mich so an die Anfangszeiten erinnere, da bin ich mit dem Fahrrad immer hierher gefahren, wenn ich dann mit dem Fahrrad wieder los bin, dann ging das auch irgendwie im Kopf so hin und her: “Oh mein Gott, das is ja alles ganz Schlimm. Ach ne, und was kann man denn…? Und überhaupt…!” Aber man wächst ein Stück weit rein. Und wir ehrenamtlichen hatten, bis vor Corona auch noch Fortbildungen, und ja.

D.O.: Meine nächste Frage wäre gewesen, haben sie die Möglichkeit für so Supervision, oder so etwas in dem Zusammenhang?

A1: Also wir ehrenamtlichen hatten am Anfang Supervision. Das ist leider nicht so gut angenommen worden. Das wurde dann irgendwann gestrichen. Ich mein das kostet Geld. Wenn da nur zwei Mädchen rumsitzen, streicht man das halt irgendwann, was auch verständlich ist.
Was wir halt eben haben sind Fortbildungen, wo wir auch, ich sag mal, zum großen Teil das Thema selbst raussuchen dürfen.
A2: Ja es gibt ja verschiedene Angebote. Also erstmal ist jederzeit, also sind wir Hauptamtlichen auch für Rücksprachen offen, jederzeit. Und dann gibt es einmal vom Übergeordneten Träger, einmal im Jahr in Straßburg, speziell für ehrenamtliche Club Mitarbeitende eine Fortbildung. Und dann machen wir hier vom Haus aus noch eine.
Und da fragen wir immer ab, welches Thema ist denn gerade virulent, was ist den am interessantesten gerade oder wo finden wir eine Mehrheit?
A1:Und wir Ehrenamtlichen treffen uns außerhalb vom Club noch so alle zwei Monate. Jetzt nicht alle, so ein fester Kern treffen uns alle zwei Monate zum Essen.
A2: Aber das ist am offiziellen vorbei. Ich würde sagen, auch die Ehrenamtlichen haben hier einfach (?gemeintätige Kunden?)

A1: Allerdings war das ja nachdem hier, wir hatten früher hier auch, ganz eng gesteckt…
A2: alle zwei, drei Monate
A1: … hatten wir eine Mitarbeiterbesprechung. Die Ehrenamtlichen haben da nicht so Gefallen 

dran gefunden. Und das wurde dann gestrichen und aufgrund dessen haben ein paar von uns gemeint, “dann treffen wir uns eben außerhalb vom Club”, dass wir da noch so, ja den Kontakt halten, weil ja fast alle Ehrenamtlichen machen jedes Angebot alleine/?(nie?)zu zweit. Und so halten wir Ehrenamtlichen den Kontakt noch und ja können uns über den Club noch austauschen.


D.O.: Ich hab noch eine Frage zur aktuellen Situation. Ist der Zulauf größer geworden, tendenziell?
A: Also ne. Schon allein, weil die Vorlagen so sind, dass es gar nicht mehr werden können. Es ist eher in die andere Richtung.
Ich würde Sie nachher bitten, wir gehen nicht alle auf einmal unten dann durch, weil es ist grad Essenszeit. Herr B. essen Sie mit?
Herr B: Ja
A: Ja gell? (???) Aber dass Sie vielleicht zu zweit mal kurz reingucken in den offenen Bereich.
Und jetzt haben wir schon die Tische wieder gemeinschafts freundlich gestellt. Über diese ganze akute Coronazeit, hatten wir in unserem großen Gruppenraum sieben Tische und an jedem Tisch einzeln eineinhalb Meter Abstand, also furchtbar Atmosphärisch.

Das ist mal einfach die äußeren Bedingungen, die Vorgaben durch Corona… Aber es sind nicht mehr geworden, ganz im Gegenteil. Corona hat eher bewirkt, dass Leute sich in ihren Ängsten bestätigt fühlen und eher weg bleiben. Also ganz viele kommen wieder, aber es gibt einen gewissen Prozentsatz, haben wir jetzt nicht wirklich statistisch erfasst, aber zum Teil bleiben die Leute eher weg. Ja das muss man schon feststellen.
Wobei, ich sage mal, wir leiden nicht unter fehlenden Aufgaben, oder Tätigkeiten. Aber es sind halt, ich weiß nicht, zwanzig Prozent weniger?
(???????) Irgendetwas zwischen zehn und zwanzig. Die kommen einfach nicht mehr.
A2: Ja es gibt Leute, die hab ich seit der Pandemie nicht mehr gesehen.

A1: Ja so ist es. Oder kommen nur ganz vereinzelt.Und im Winter schon gleich gar nicht. Jetzt im Sommer, werden Sie gleich sehen. Wir haben wirklich  hier mit dem Haus einen Glücksgriff. Wir haben einen super Garten, ja und natürlich speziell die Raucher genießen das natürlich da draußen jetzt rauchen zu können. Und überhaupt, egal ob rauchen hin oder her, draußen sitzen können. Hinten in einem geschützten Bereich der ganz gemütlich ist. Und das ist für uns ein großes Plus, denke ich. Wenn wir alle Leute innerstädtisch hier im Haus unterbringen müssten, wäre alles logistisch viel viel schwerer und ich glaube es würden noch ein paar Leute weniger kommen.
Wir haben allerdings auch, das Haus hat einen großen Nachteil: Es ist nicht für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen geeignet. Und da wird sich auch nix dran ändern. Das haben wir schon abklären lassen.
Herr B: Durch die Hilfsbereitschaft hier, wenn jemand nicht so laufen kann, oder halt einfach nicht laufen kann, sagt: “Gehst du mal ins Büro, ich will mich anmelden für das und das, das geht natürlich hier. (???)


T.M.: Ja also einiges zu negativen Sachen, vielleicht noch eine Frage:
Gibt es Erfolgsgeschichten von Teilnehmenden?
A: Was gibt es?
T.M.: Erfolgsgeschichten von Teilnehmenden. Also das hier jemand richtig aufgeblüht ist und jetzt wieder soziale Kontakte hat und…
A: Also ich denke es sind ganz ganz viele Erfolgsgeschichten. Also ich sag, jeder der noch nach dem Erstgespräch noch kommt, finde ich eine Erfolgsgeschichte. Also, weil wir dann genau das erreicht haben, was die Aufgabe und das Ziel dieser Einrichtung ist, nämlich Menschen in Gemeinschaft zu bringen. Ja wobei man muss auch ganz ehrlicherweise sagen, wir führen sehr viele Erstgespräche und wir sehen die Menschen nie mehr wieder. Also es schaffen viele auch nicht. Das ist auch realistisch. Also ich weiß nicht… wenn alle kämen, mit denen wir Erstgespräche schon geführt haben, dann könnten wir umziehen ins Städtische Klinikum (???).
A2: Es gibt ja auch Leute die nicht jeden Tag kommen, sondern nur an bestimmten Angeboten dann teilnehmen. Gibt’s auch.
A1: Ja ja also, es sind nicht alle gleichzeitig da.
D.O.: Die Bedürfnisse sind da unterschiedlich.

A1: Genau. Also es gibt Menschen die kommen nur zum Basteln einmal die Woche, aber es gibt auch Menschen die kommen viermal die Woche, immer wenn gekocht wird. Also ist ganz ganz ganz unterschiedlich. Es kommen auch manche, die sehe ich nur bei der Weihnachtsfeier und beim Sommerfest. Gibts auch und darf alles sein!
(…)

T.M.: Freundschaft unter Teilnehmenden gibt es auch, haben Sie gesagt?
A: Ja, gibts öfters.
Herr B: Aber mit Freundschaften, wenns gewachsen ist, wie bei (???)

A: Hier gibts von Freundschaften bis Eheschließungen alles!A2: Ja das stimmt. Wir haben das schon bezeugt, wir zwei.
Ja das gibts auch. Immer wieder finden sich hier Paare.
M.T.: So solls sein!
A2: So solls sein!
A1: Ist nicht der Schwerpunkt, aber…
*gelächter*
A2: Vielleicht sollten wir mal eine Partnerbörse hier einführen!
*gelächter*

D.O.: Hat jemand noch eine Frage?
(???)
D.O.: Also vielen Dank schon mal. Toll, dass Sie sich Zeit genommen haben für uns. Wir werden das jetzt dann eben ein bisschen aufbereiten. Und vielleicht kommen noch mal ein paar Fragen nach, vielleicht dürfen wir sie auch noch mal kontaktieren.
Haben Sie einen Wunsch an uns noch?
A: Machen Sie Werbung
D.O.: Das machen wir. Das Prinzip ist ja die Information eben auf zu bereiten. Wir stellen die zur Verfügung für alle im Prinzip. Was ich jetzt festgestellt hab, also ich hab den Begriff “Club Pinguin” jetzt in letzter Zeit sehr oft verwendet und mir ist tatsächlich auch eben aufgefallen, dass immer wieder bin ich auf Menschen gestoßen, die konnten damit nichts anfangen, das war interessant gewesen. Aber je mehr wir darüber reden, desto mehr tun wir das natürlich Kund.
A: Ist das dann mehr unter dem Namen Zentrum für Seelische Gesundheit bekannt, oder gar nicht?
D.O.: Ne. Also auch interessanterweise, wir bei Initial haben auch einen Kundenstamm, weiß nicht, vielleicht so ?200, 350? Leute. Selbst dort ist das nicht so gängig. Das ist ganz spannend. Interessant. Wir werden durch die Ausstellung sicher einen Beitrag leisten, dass ein bisschen häufiger…
A: Ja super! Ja.